Das war „Extraleben“

Montagabend, Minusgrade in Köln, schnell rein in die Zentralbibliothek am Neumarkt. Am Eingang überlagern sich 8-Bit-Klänge aus zig Konsolen, vermischt mit Gesprächen, Lachen und spontanen Flüchen. Besonders deutlich ertönen das schrille Waka-Waka von Miss Pacman und die Sprung- und Schussgeräusche von Moon Patrol. In allen Ecken werden Gesichter von kleinen Röhrenfernsehern angestrahlt während Joysticks klappern und ein dekorativer Lichttrichter den Raum in wechselnde Farben taucht. Und dann kommt jemand von der Stadtbibliothek, zieht dir eine Zuckerperlenuhr aufs Handgelenk und heißt dich willkommen bei „Extraleben“.

Am 18. Januar 2016 hatten wir zum Retrogaming geladen. Zehn Konsolen und Heimcomputer warteten im Erdgeschoss auf Spieler. Sechs davon hatte das Team von Classic Videogames mitgebracht. Das Live-Streaming-Projekt aus Euskirchen bietet auf seiner Webseite einen Radiostream mit Retrospielklängen, sowie Videosendungen mit Gaming-Reviews. Außerdem veranstalten sie eigene Retrogaming-Tage. Die beiden Highlights ihrer Sammlung: ein Vectrex mit eingebautem Vektorbildschirm und der Virtual Boy von Nintendo. Letzterer hat mit den heutigen Virtual-Reality-Brillen nicht viel gemein, erzeugt aber zumindest einen netten 3D-Effekt. Die Farbdarstelllung beschränkt sich allerdings auf rot und schwarz und das Gerät ist zu schwer, um es auf der Nase zu tragen.

Am Eingang stand die persönliche Moon-Patrol-Arcade unseres Special Guests Constantin Gillies. Sie wird mit D-Mark-Stücken gefüttert und stellte uns beim Transport vor einige Herausforderungen. Glücklicherweise hat das gute Stück Rollen – das schont auf ebenen Strecken den Rücken. Auch der C64 stammte aus Constantins Hausrat. Angeschlossen war ein Competition-Pro-Joystick. Beim Zwei-Spieler-Pacman hieß das: Wenn Spieler 1 fertig ist muss der Joystick umgesteckt werden. Und auch der alte Fernseher zeigte seinen Retrocharme. Von Zeit zu Zeit rollte das Bild in Schwarz-Weiß von oben nach unten über den Monitor bis der Kanal wieder richtig eingestellt war.

Ein weiterer C64 stand auf der Bühne. Hier lief jedoch kein Spiel sondern unser Veranstaltungsintro. Dank des Intromakers „Demo Demon“ konnten wir der Veranstaltung so eine ganz persönliche Note geben. Hier das Intro als gezippte D64-Datei: Download.

Auch dabei: ein GameCube. Dieser hatte im Vorfeld Diskussionen ausgelöst. Kann eine Konsole retro sein, die nach 2000 auf den Markt kam? Während der Veranstaltung spielte dieser Gedanke keine Rolle mehr. Die Super Smash Bros. und Soul Calibur waren über jeden Zweifel erhaben. Für Verwirrung sorgte aber die Slow-Taste auf den GameCube-Controllern. Sie simuliert einen Slow-Motion-Effekt indem sie das Spiel in schneller Folge pausiert und weiterlaufen lässt. Wer die seltsame Funktion der Taste nicht kannte, glaubte eher an einen Defekt.

Nebenan am N64 lief vor allem der Evengreen Mario Kart. Glücklicherweise hatten wir hier einen modernen Fernseher aufgebaut auf dem alle 4 Spieler ihren Splitscreen erkennen konnten. So richtig gut tat es der alten Grafik aber nicht, auf einen modernen Flatscreen aufgeblasen zu werden. Für intensive Retromomente sorgte das Einlegen anderer Cartridges: Ohne Pusten ging hier gar nichts.

Auf dem Amiga 500 wurde u.a. International Karate Plus und Space Taxi gespielt. Auf dem SNES lief mit Battle Toads eins der schwierigsten Spiele der 90er. Aber auch am Sega Mega Drive setzte nach einigen Niederlagen bei den Ninja Turtles die Erkenntnis ein: „Früher wurden die Spiele schwerer und schwerer, bis man nicht mehr konnte und gestorben ist. Wie das echte Leben.“

In der Ecke mit Virtual Boy und Dreamcast befand sich auch unsere Candybar. Retro-Loot in Form von Raider, Brause-UFOs und Nappos, neben Cola-Fruchtgummis und Quaxi Fröschlis.

Und dann kam Constantin Gillies auf die Bühne. Der Journalist und Autor ist vor allem für seine Retrogaming- und Retrocomputing-Romane bekannt. Seine Extraleben-Reihe hat seit Dezember einen vierten Teil mit dem Titel Retroland. Bei unserer Veranstaltung las er daraus ein paar Ausschnitte, konzentrierte sich aber vor allem auf den ersten Teil der Reihe, der die meisten Retrogaming-Anekdoten enthält. Auf seine Lesung folgte sofort der Schrei nach einer Zugabe. Aber seht selbst:

Noch ein paar Runden zocken und dann ging um kurz nach 22 Uhr (die Zuckerperlenuhren hatten es angekündigt) der Abend zu Ende. Ein ganz lieber Dank an Constantin Gillies, das Team der Classic Videogames und an das Hochschulradio KölnCampus! Der Abend hat uns eine Menge Spaß gemacht und die Chancen stehen gut, dass wir auch nächstes Jahr wieder Retrogaming in unser Programm aufnehmen.

Weiter geht es bei geeks@cologne am 7. März mit dem Science Slam. Wenn ihr unseren Veranstaltungsblog abonniert, bekommt ihr bei neuen Blogeinträgen eine Mail und verpasst keine Veranstaltung.

(ba)

2 Antworten zu “Das war „Extraleben“

  1. Das war ein netter Abend, vielen Dank an die Organisatoren!
    Auch konnte man ein paar Worte mit dem Autor Constantin Gillies wechseln, der sehr sympathisch rüberkam.

    Gefällt mir

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