Das war „Lichtjahre voraus“ 2017

Vor einem Monat war es wieder soweit: das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt entsandte drei Vortragende zu uns in die Zentralbibliothek und ihr konntet euch über aktuelle Projekte aus Raumfahrt und Weltraumforschung informieren.

Raumfahrtmissionen und Forschungsprojekte online miterleben

Als erstes betrat Fiona Lenz die Bühne. Sie arbeitet als Online-Redakteurin im Cross-Media-Team des DLR und zeigte euch, wie man im Netz zeitnah oder ausgiebig an Infos zu Raumfahrtmissionen und Forschungsprojekten kommt. Ihr Fokus lag dabei auf der europäischen Raumfahrten und der Arbeit des DLR. Eine Schwierigkeit vorweg: Sobald Weltraummissionen die Erde bzw. den Erdorbit verlassen, können selbst die Wissenschaftler nicht mehr wirklich live dabei sein. Das Senden und Empfangen von Daten dauert dann Minuten bis Stunden und was von einer Sonde zurückgeschickt wird sind Rohdaten. Wenn es keinen Live-Stream gibt, ist Twitter das schnellste Medium für Missionsupdates. Hier muss durch das 280-Zeichen-Limit nicht lange formuliert werden, aber die Wissenschaft kommt durch Fotos, Videos und Links trotzdem nicht zu kurz.

Fiona Lenz hat verschiedenste Plattformen und konkrete Links vorgestellt. Hier eine Auflistung für alle, die ihren Tipps folgen wollen:

  • Auf Twitter berichtete der Kometen-Lander @Philae2014 über den Anflug, die Landung auf 67P/Tschurjumov-Gerasimenko (#cometlanding) und die Messungen (#lifeonacomet).
  • Auf Reddit gab das Philae-Team vor 3 Jahren einen Rosetta-AMA (AMA steht für Ask me anything und ist ein Frage-Antwort-Format auf Reddit)
  • Auch dem Asteroiden-Lander @mascot2018 kann man auf Twitter folgen und der Hashtag #AsteroidLanding wird für die Landung und die Messungen von Mascot verwendet
  • Alexander Gerst twittert als @astro_alex über sein Astronautenleben und wird uns auf Twitter natürlich auch auf die Horizons-Mission (unter dem leider oft für andere Themen verwendeten Hashtag #horizons) mitnehmen. Auch auf Instagram hat er einen Account für seine neue ISS-Mission angelegt: https://www.instagram.com/astro_alex_esa/
  • Einen Live-Stream der ISS samt Audio gibt es auf Ustream: http://www.ustream.tv/channel/live-iss-stream
  • Für das ISS-Spotting gibt es eine Website der NASA, die euch benachrichtigt, wenn die ISS über einem Ort eurer Wahl auftaucht: https://spotthestation.nasa.gov
  • Das Projekt Eden ISS, bei dem der autarke Gemüseanbau für lebensfeindliche Umgebungen wie Wüsten oder den Mars getestet wird, hat einen eigenen Instagram-Account: https://www.instagram.com/eden_iss_project/
  • Auf dem Mars dreht noch immer der Mars Rover Curiosity seine Runden. Seinem Twitter-Account @MarsCuriosity folgen schon mehr als 3,8 Millionen Menschen.
  • Auf www.google.com/mars könnt ihr euch die Marsoberfläche detailliert anschauen
  • Fotos der „Mars Express“-Sonde der ESA findet ihr auf www.dlr.de/mars
  • Sehr empfehlenswert sind auch die Fotos des Cassini-Huygens-Orbiters von Saturn und seinen Monden. Auf https://saturn.jpl.nasa.gov/ gibt es sogar die Rohdaten.
  • Folgende Webseiten solltet ihr euch mal anschauen: Arianespace (mit Live-Streams der Raketenstarts), DLR, NASA und ESA. Das DLR bietet auch verschiedenste Newsletter an!
  • Live-Streams der NASA gibt es auf https://nasa.gov/nasatv
  • Mit Apps für Smartphones oder Tablets könnt ihr euch anzeigen lassen wo sich die ISS momentan befindet (z.B. ISS Spotter), wer gerade auf der ISS ist (People in Space) und welche Sterne, Planeten und Satelliten gerade am Nachthimmel zu sehen sind (SkyView)
  • Auch zu empfehlen: die App von DLR_next und die VR-App „Kibo Science 360“
  • Auf www.spaceweatherlive.com kann man sich über das Weltraumwetter informieren, also Sonnenaktivität, Sonnenwinde, geomagnetische Stürme und Polarlichter

Den Vortrag von Fiona Lenz könnt ihr euch im Video und mit ihrer Prezi noch mal genauer ansehen. Und nicht vergessen: das Genannte sind alles Beispiele. Haltet nach den Websites und Social-Media-Accounts anderer Astronauten, Missionen, Projekte etc. Ausschau! Ein guter Einstieg sind die Twitter-Accounts vom DLR und von der ESA.

Der Asteroiden-Lander Mascot der japanischen Hayabusa-2-Mission 

Physiker Christian Krause vom Nutzerzentrum für Weltraumexperimente (MUSC) des DLR arbeitete schon als Ground Segment System Ingenieur am Kometenlander Philae und ist nun Operations Manager eines Asteroidenlanders. Die Erforschung von Asteroiden gibt Aufschluss über die Entstehung unseres Sonnensystems und den Ursprung des Lebens. Darüber hinaus stellen Asteroiden eine potentielle Gefahr für die Menschheit dar, sodass ihre Erkundung auch wichtige Informationen zur Entwicklung von Abwehrmaßnahmen liefert. Die meisten Asteroiden unseres Sonnensystems umkreisen die Sonne in einem Gürtel zwischen Mars und Jupiter. Durch Zusammenstöße oder Gravitationskräfte wurden einige auf erdnahe Umlaufbahnen abgelenkt, was zum einen mit Gefahren aber zum anderen auch mit Chancen für die Forschung verbunden ist.

Die erste Hayabusa-Sonde der japanischen Weltraumagentur JAXA startete 2003 und hatte Itokawa zum Ziel, einen Asteroiden des Typs C (steinige Zusammensetzung). Damals gelang es, Partikel des Asteroiden einzufangen und zur Erde zurückzubringen – zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit.

Vier Jahre nach dem Missionsende, im Dezember 2014, startete Hayabusa 2 zum Asteroiden Ryugu. Dieser ist vom Typ S und verheißt somit die Entdeckung von organischen und kohlenstoffhaltigen Molekülen und hydratisierten Mineralien. Die Ankunft am Asteroiden ist für Juli 2018 geplant. JAXA profitierte von den Erfahrungen, die während der ersten Mission gemacht wurden. Die Raumsonde wurde in vielen Punkten verbessert und führt mehr Nutzlast für Vor-Ort-Messungen mit sich: die Raumsonde hat eigene Sensorik (NIRS3, TIR, LIDAR), setzt den Mascot-Lander und drei kleine Minerva-Lander ab und zündet eine projektilbildende Ladung. Der Einschlag lässt einen frischen Krater entstehen und legt tiefere Schichten des Asteroiden frei. An dieser Stelle wird die Sonde mit einem Trichter kurz aufsetzen und Proben entnehmen mit denen sie zur Erde zurückkehrt.

Der Mascot-Lander ist ein Kooperationsprojekt der deutschen, französischen und japanischen Raumfahrtorganisationen unter Federführung des DLR. Im Gegensatz zum Kometenlander Philae, der durch den Ausfall seiner Harpunen erst nach mehrmaligem Aufprallen zur Ruhe kam, sind Sprünge und Überschläge beim Mascot-Lander Teil des Konzepts. Ein Schwungarm sorgt dafür, dass er sich aus jeder Position wieder korrekt aufrichten und nach ersten Messungen an einen zweiten Standort katapultieren kann.

Seine Batterieladung reicht für etwa 16 Stunden Aktivität. Mit seinem Magnetometer (MasMag) untersucht er das Magnetfeld des Asteroiden. Außerdem geben verschiedene Sensoren Aufschluss über die Zusammensetzung und Beschaffenheit des Bodens: Mascots Kamera fotografiert den Boden bei Tageslicht und bei Nacht (mit abwechselnd roter, blauer, grüner und infraroter Beleuchtung), das Radiometer (MARA) untersucht wie der Boden auf Temperaturwechsel reagiert und das Infrarotspektralmikroskop (MicrOmega) untersucht die Reflektionseigenschaften millimetergroßer Bodenabschnitte in verschiedenen Wellenlängenbereichen. Die entstehenden spektralen Signaturen (Profile) können dann mit bekannten Profilen von z.B. Mineralien oder Wasser verglichen werden.

Weitere Informationen zu Hayabusa und Mascot findet ihr im Vortrags-Clip von Christian Krause:

HORIZONS: Alexander Gerst 2.0 – Auf zu neuen Horizonten

Raumfahrtingenieur Volker Schmid vom DLR-Raumfahrtmanagement begann seinen Vortrag mit schönen Grüßen von Alexander Gerst. Mehr als drei Jahre ist es her, dass der Geophysiker aus Künzelsau zum ersten Mal zur Internationalen Raumstation aufbrach und in Deutschland eine neue Faszination für den Weltraum und unseren Blauen Planeten auslöste. Ein mediales Feuerwerk begleitete seine Blue-Dot-Mission und erreichte auch die Politik. Im Bundestag wurde zum ersten Mal seit 10 Jahren über das Thema Raumfahrt debattiert und Gersts Mission wurde als starker Motivator und Förderer in Bezug auf naturwissenschaftliche und technische Bildungsinhalte (MINT-Fächer) gelobt. Als im Mai 2016 Gersts zweite Mission offiziell verkündet wurde, schaffte es die Meldung in die Tagesschau.

Im zwanzigsten Jahr der Raumstation wird Alexander Gerst 2018 als erster Deutscher die ISS kommandieren. Der Missionsname „Horizons“ verdeutlicht, dass sich auch der Schwerpunkt seiner Forschungen verschieben wird. Dieses Mal steht nicht unsere Erde im Mittelpunkt sondern all das was es hinter unserem Erdhorizont zu entdecken gibt. Für die Rückkehr zum Mond und für bemannte Flüge zum Mars müssen sich die Raumfahrtorganisationen für Langzeitmissionen rüsten. Die geistige und körperliche Gesundheit der Astronauten, selbstversorgende Lebenserhaltungssysteme und die Ausbildung neuer Astronautengenerationen stehen im Fokus. Auch wenn die Vorbereitungszeit für Gersts Mission mit 3 Jahren recht knapp bemessen ist, hat sich die Anzahl der geplanten Experimente von 40 bei Blue Dot auf 79 bei Horizons erhöht. Da ist es Mission Manager Volker Schmid fast recht, dass es diesmal höchstwahrscheinlich keinen Außenbordeinsatz für Alexander Gerst geben wird.

An Spannung wird es nicht mangeln. Die NASA bringt das Cold Atoms Lab auf die ISS, mit dem Alexander Gerst Bose-Einstein-Kondensate (Quantengase) untersuchen wird, die auf der Erde durch die Schwerkraft schnell destabilisiert werden. Mit dem Photobioreaktor PBR@LSR testet das DLR ein Lebenserhaltungssystem, dass CO2 aus der Luft der Raumstation zieht und damit sauerstoffproduzierende Algen nährt. Das Fluoreszenzmikroskop Flumias hilft dabei, den Einfluss der Schwerkraft bzw. Schwerelosigkeit auf den Muskel- und Knochenstoffwechsel sowie das Immun- und Nervensystem zu untersuchen. Diese Experimente liefern wichtige Erkenntnisse für Langzeitmissionen der explorativen Raumfahrt aber auch Therapiemöglichkeiten für irdische Patienten wie z.B. Krebskranke. Angelehnt an Prof. Simon Wright aus Captain Future bringt das DLR mit CIMON zum ersten Mal eine Künstliche Intelligenz auf die Raumstation. Der Kugelroboter mit IBMs Watson soll mit Kameras, Displays und Sprachsteuerung die tägliche Arbeit der Astronauten unterstützen und ihnen Gesellschaft leisten. Die Erforschung der Mensch-Maschine-Interaktion könnte später auch Senioren zugutekommen, die durch einen Assistenzroboter länger selbstbestimmt im eigenen Haushalt leben können. Auch Schüler- und Studentenprojekten wird wieder viel Zeit eingeräumt. So zum Beispiel dem EXCISS-Projekt der Universität Frankfurt am Main. Mit ihrem Experiment zur Planetenentstehung setzen die Studierenden eine Sandstaubwolke kontinuierlich elektrischen Blitzen aus und erreichen somit eine Verschmelzung der Partikel.

Weitere Informationen zur Horizons-Mission findet ihr im Vortrags-Clip von Volker Schmid:

 

Nach allen Vorträgen und allen Fragen des Publikums namen wir uns wieder eure Feedbackzettel vor und spielten Glücksfee. Bei unserer Verlosung gab es u.a. DLR-Tassen, Science-Fiction-Bücher von Volker Schmid, Weltraumpostkarten und spacige 3D-Drucke wie die Nasa Space Wrench zu gewinnen. Hauptgewinn war aber eine mehrstündige Führung über das Kölner DLR-Gelände. Noch einmal herzlichen Glückwunsch an alle Gewinnerinnen und Gewinner!

Wir haben wieder viel dazugelernt und freuen uns schon auf noch mehr Space-Wissen im nächsten Jahr. Wie immer an dieser Stelle ein ganz ganz lieber Dank an das DLR und unsere drei Vortragenden!

geeks@cologne geht nun in die Winterpause. Wir wünschen euch eine erholsame Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Unsere nächste Veranstaltung wird ein Steampunk-Happening und ist für den 6. März 2018 geplant!

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(ba)

3 Antworten zu “Das war „Lichtjahre voraus“ 2017

  1. Galaktischen Dank für den ausführlichen Bericht mit Videos vom Abend! Leider konnte ich diesmal nicht dabei sein, aber so habe ich die Vorträge jetzt auch nachträglich sehen können.
    Freue mich schon auf „Lichtjahre Voraus 2018“ 🙂

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  2. Hat dies auf die Stadtbibliothek Köln bloggt rebloggt und kommentierte:

    Vor einem Monat war das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt bei uns zu Gast und berichtete über den Asteroidenlander MASCOT, die neue ISS-Mission von Alexander Gerst und diverse Möglichkeiten, Raumfahrtmissionen und Forschungsprojekten online mitzuerleben. Hier unser Nachbericht!

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